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“SAFEr Copter” – Im Test der Blade 230 S mit Rettungsfunktion

von Marcus Frohberg vom 4. November 2015
Artikel-ID: Horizon-Test-045 Rubrik: Helikopter

Helikopterfliegen gilt immer noch als eine der schwierigen Disziplinen im Flugmodellsport und sind für den Einsteiger doch häufig mit Frust und teuren Absturzschäden verbunden. Horizon Hobby hat mit dem Blade 230 S den ersten Collective Pitch Flybarless Helikopter mit SAFE Technologie und Rettungsfunktion entwickelt, um den Einstieg in die Helifliegerei erfolgreicher zu gestallten. Wir wollten wissen ob das wirklich funktionieren kann.

Zur Herbstsaison hat Horizon Hobby den Collective Pitch Helikopter Blade 230 S mit SAFE Technologie in den Varianten BNF und RTF auf den Markt gebracht. Der Blade 230 S ist der erste Collective-Pitch-Heli mit SAFE Stabilisierung und Rettungsfunktion in dieser Größe. Auch wenn ich schon viele Jahre Helikopter fliege, war ich sehr gespannt auf die Fähigkeiten des Blade 230 S und seiner Rettungsfunktion. Denn beim einüben neuer Figuren kann es durchaus schon mal kritisch werden und da ist eine automatische Stabilisierung auf Knopfdruck schon sehr beruhigend. Zudem werde ich auch diesen Winter wieder sehr viel Zeit in der Halle verbringen und ich war schon lange auf der Suche nach einem geeigneten Heli, der gleichermaßen im Freien wie in der Halle geflogen werden kann. Der 269,90 Euro (UVP) teure RTF Heli bietet für den Einsteiger bis zum Profi drei Flugmodi. Angefangen vom Einsteigermode mit begrenzten Schräglagen und Pitchwinkel über den Fortgeschrittenen Mode bis hin zum 3D Mode mit allen Freiheitsgraden. Auch wenn ich schon einen Spektrum Sender besitze, habe mir den neuen Blade 230 S in der RTF Variante bestellt, da ich wissen wollte, was der neue DXe Sender zu bieten hat. Aber natürlich kann für den Blade 230 S auch jeder andere Spektrum Computersender verwendet werden. Die notwendigen Programmierungen sind dazu in der Anleitung beschrieben.

Das RTF Set des Blade 230 S wird betriebsfertig und das Modell vollkommen eingeflogen geliefert. Im Prinzip muss also nur der Akku geladen werden und es kann schon losgehen. Der Blade 230 S wird fertig zusammengebaut zum Kunden geliefert. Der beiliegende DXe Sender wurde bereits werkseitig eingestellt. Was muss am Blade 230 S noch alles gemacht werden, damit er fliegt? Es muss lediglich der mitgelieferte 3S 800 mAh LiPo-Akku entweder mit dem mitgelieferten Steckerlader aufgeladen werden, oder man verwendet ein handelsübliches Computerladegerät.
Der 3S 800 mAh Flug-Akku ist mit dem beiliegenden LiPo-Lader binnen einer Stunde geladen. Horizon Hobby hat selbst bei dem LiPo-Lader keinerlei Wünsche offen gelassen. Bis Dato wurden solch kleine Helis immer nur mit einem 12 Volt Lader ausgeliefert, dem LiPo-Lader liegt jetzt aber noch ein 220 Volt Stecker-Netzteil bei. Nun ist es also möglich den LiPo-Akku an einer 12 Volt Stromquelle zu laden, oder direkt an der 220 Volt Steckdose.

Chassisaufbau

Der Blade 230 S ist ein Flybarless CP Heli mit einer klassischen 120° Taumelscheibenanlenkung und einem Brushless Heck Motor. Die Spektrum H3050 Taumelscheibenservos sind robust und geometrisch günstig im Chassis verbaut. Das erlaubt eine direkte und spielfreie Anlenkung der Taumelscheibe. Der Hauptantriebsmotor sitzt gut geschützt vorne unten im Chassis und treibt dort über das Hauptzahnrad an. Das Frame ist aus sehr robustem ABS Kunststoff hergestellt und verträgt auch einiges, wenn es trotz Rettungsfunktion einmal rauen Bodenkontakt gibt. Der AR3270H Empfänger beinhaltet die komplette Gyroelektronik und ist für den 230 S entsprechend parametrisiert. Die Gyroparameter können nicht angepasst werden, was aber auch absolut nicht notwendig ist, denn so viel sei schon mal gesagt, der Gyroempfänger verrichtet seine Arbeit ausgezeichnet.
Der Heckausleger ist wie üblich aus Alu, eine zusätzlich Abstützung ist nicht notwendig. Am Heckausleger ist die Halterung für den  Brushless Heckmotor, der vom Empfänger über einen entsprechenden Regler angesteuert wird. Konstruktiv ist der Blade 230 S auf der Höhe der Zeit.

DXe Sender

Im RTF Set zum Blade befindet sich der relativ neue Spektrum DXe Handsender. Auf den ersten Blick ein typischer RTF Sender. Aber der erste Blick täuscht da ein wenig. Drei Schalter und ein Tastknopf stehen zur Verfügung und die Knüppelaggregate sind für einen Sender dieser Preisklasse wirklich nicht schlecht. Der Sender verfügt über keinerlei Displays oder Programmiertasten. Alle Anpassungen und Programmierungen werden über ein Interfacekabel und mit Hilfe eines PC Programms oder dem Smartphone durchgeführt. Das notwendige Programm, bzw. die notwendige App stehen zum Download auf den Internetseiten von Horizon Hobby bereit. Das Kabel kann als Zubehör erworben werden. So können verschiedene Modellkonfigurationen auf dem Flugfeld geladen, oder eben Anpassungen zu Dual Rate oder Expo vorgenommen werden. Die DXe ist also wirklich kein Billigsender den man am besten sofort zur Seite legt, sondern kann durchaus überzeugen. Folgende Funktionen können via App oder PC Programmierung vorgenommen werden:

-Servoumkehr-Knüppelkonfiguration: Mode 1-4
-Tragflächentyp: Normal oder Delta/Elevon-Expo: an oder aus
-4 Steuerkanäle
-3-Positionsschalter für Klappen
-2-Positionsschalter für beliebige Belegung
-3-Positionsschalter ‚Flugmode‘ für Modelle mit AS3X/SAFE
-Binden-/Panik-/Return Home-Button für Modelle mit SAFE

Flugverhalten

Da der Blade 230 S bereits schon ab Werk mit dem Sender gebunden ist, kann es nach dem Lesen der Anleitung und dem Aufladen des Flug-Akkus losgehen. Nach dem Einlegen der vier Mignon Batterien des Senders mache ich mich auf den Weg zu meinem Flugfeld um dem Blade 230 S auf den Zahn zu fühlen.

Die Bereitschaft zum Flug meldet der Blade 230 S mit entsprechenden Tonfolgen, das Stabilisierungs-System initialisiert sich und die Servos fahren auf Mittenstellung. Wie üblich darf das Modell während der Initialisierung nicht bewegt werden.

Während der ersten Gewöhnungsflüge starte ich zunächst im Stability Mode. Aber was verbirgt sich hinter dem Stability Mode eigentlich? Im Stability Mode sind nur begrenzte Nick- und Rollwinkel in Kombination mit selbststabilisierenden Flugeigenschaften möglich. Also für den Erstflug und den Einsteiger auf jeden Fall sehr ratsam. In diesem Mode ist auch eine Gas-Pitchkurve programmiert die keinen Kunstflug ermöglicht. Die Gas-Kurve im Stability Mode ist so angepasst, dass der Blade 230 S nicht gleich auf hohe Drehzahl geht. Sobald der Gas-Knüppel nach oben geschoben wird, erhöht sich die Drehzahl des Motors. Im Stability Mode ist kein 3D Flug möglich, da sich beim wieder herunter ziehen des Gas-Knüppels auch wieder die Drehzahl des Motors verringert. Landläufig wird diese Gaskurve auch als ‚Kindergas‘ bezeichnet,

Der Motorschalter am Sender wird auf die Position 1 gestellt, somit ist der Blade 230 S auch schon scharf geschaltet für den ersten Flug. Der Pitch-Knüppel wird nun langsam nach oben geschoben, die Drehzahl am Rotorkopf und am Heck nimmt langsam zu. Der Blade 230 S hebt in der Mittelstellung des Pitchweges butterweich und langsam ab. Das Steuerverhalten im Stability Mode ist absolut unkritisch und der Blade 230 S liegt praktisch wie das sprichwörtliche „Brett“ in der Luft. Selbst Flug-Anfänger dürften hier sehr schnell zum Ziel kommen. Der Blade 230 S fliegt sich fast wie ein Koaxial-Heli und der Pilot wird nicht überfordert. Dieses sehr ruhige und gar nicht hektische Flugverhalten ist nahezu ideal um Sicherheit zu verbreiten. Kein hektisches gekippe oder extremes reagieren auf Steuereingaben.

Die ersten 5 Minuten vergehen wie im Fluge und es wird Zeit einen neuen Akku einzulegen, denn nach dieser Zeit hat der Flugakku etwa die 30 % Ladegrenze erreicht.  Für die weitere Erprobung wird  zunächst auch wieder im Stability Mode gestartet. Auf gut einem Meter Höhe lege ich den Flugphasenschalter links oben am Sender auf die zweite Flugstufe. Die zweite Flugstufe ist der Agility Mode. Der Agility Mode bietet volle Bewegungsfreiheit für klassischen Kunstflug. Das heißt im Einzelnen: Im Sender ist nun eine V-Kurve für das Gas hinterlegt, damit die Motordrehzahl im Positiv-Pitchbereich sowie im Negativ- Pitchbereich gleich hoch ist und mit dem Blade 230 S können somit Rollen, Loopings, Rückenflug und der gleichen geflogen werden. Allerdings ist die Roll- und Nickrate deutlich reduziert. Es fühlt sich in etwa so an, als würde man mit 50 Prozent Expo fliegen. Das erlaubt dem fortgeschrittenen Piloten das Modell dennoch ruhig und wenig hektisch zu steuern. Aber dennoch macht der Blade 230 S im Agility Mode schon richtig Laune. Da der Blade 230 S über einen Brushless Heckmotor statt eines Wellenantriebs verfügt, war ich ein wenig skeptisch was die Heckstabilität angeht. Die Reglung des Hecks mit Hilfe eines Motors ist nicht einfach zu realisieren, aber hier hat Horizon Hobby eine wirklich gute Abstimmung gefunden. Das Heck rastet schön knackig ein, man merkt nicht, dass das Heck nicht von einem Brushless Motor ausgeglichen wird. Egal wie ich den Blade 230 S durch die Luft prügel, das Heck steht wie eine Eins und schwingt auch bei radikalen Manövern faktisch nicht nach.
Als nächstes lege ich noch richtig einen drauf, der Flugmodischalter wird auf 3D Mode gestellt. Jetzt zeigt der Blade 230 S erst so richtig seine wahren Fähigkeiten. Im 3D Mode legt der Blade 230 S eine richtig flotte Sohle aufs Parkett, die Flip- und Rollrate ist im diesem Flugmodi deutlich höher. Die Gaskurve und damit die Drehzahl des Motors sind noch einmal deutlich höher und der Blade 230 S bekommt einen ordentlichen Zacken drauf. Hier kommt Freude auf, echte 3D Freaks können mit dem Blade 230 S im 3D Modi zeigen, was sie drauf haben. Selbst im 3D Mode stabilisiert das Stabisystem den Blade 230 S ausgezeichnet, das Heck hält auch genau wie in den anderen Modi ausgezeichnet. Hier zeigt der Blade 230 S was er kann und enttäuscht meine Erwartungen nicht. Sehr agil am Knüppel und immer ausreichend Leistung am Hauptrotor und am Heck.  Hier braucht es schon einen echten Könner an den Knüppel um den Blade an seine Grenzen zu treiben.

Rettungsfunktion

Aber was ist nun eigentlich mit der Rettungsfunktion des SAFE Systems? Die Rettungsfunktion funktioniert in allen 3 Flugmodi ohne Probleme, Voraussetzung dafür ist aber, dass sich der Blade 230 S in ausreichender Höhe befindet, in 50 Zentimeter Höhe hilft die Rettungsfunktion nichts mehr, da bei Betätigung des Tasters für die Rettungsfunktion natürlich etwas Höhe abgebaut wird.
Sollte der Pilot die Flugposition des Blades 230 S nicht mehr erkennen oder er verknüppelt sich, dann einfach den Panikbutton am Sender drücken und der Blade 230 S geht automatisch in einen stabilen, horizontalen Flug in Normalfluglage über. Abhängig von der Fluglage beim Drücken des Tasters dreht sich das Modell in die Normalfluglage und stabilisiert sich. Der Pilot kann dann nur noch Pitch steuern um die Flughöhe zu bestimmen. Bei Drücken des Tasters findet der Blade blitzschnell seine Normalfluglage und der Pilot kann dann erst einmal kurz durchschnaufen. Es bleibt aber zu beachten, dass der Heli beim Drücken der Taste zwar die richtige Fluglage einnimmt, aber in der Bewegungsrichtung die er gerade innehat, natürlich weiter driftet. Das kann auch gar nicht anders funktionieren, da der Blade 230 S seine Lage und Bewegung im Raum nicht erfassen kann. Hier darf man also nicht ein Flugverhalten erwarten, wie man es von Quadrocoptern her kennt. Aber dennoch ist die Rettungsfunktion des Blade eine klasse Funktionalität die den einen oder anderen Crash sicher verhindern kann und das Erlernen von schwierigen Manövern deutlich erleichtert – einfach klasse!

Mein Fazit

Der neue Blade 230 S mit SAFE ist ein wahrer Freudenspender hoch drei. Gerade Fluganfänger können mit dem Blade 230 S, dank Stability Mode und der SAFE-Technologie, das Helikopterfliegen ohne viel Frust erlernen. Aber auch fortgeschrittene Piloten und 3D Cracks kommen mit dem Blade 230 S voll auf ihre Kosten, denn die Performance des Helis ist wirklich ausgezeichnet und die Rettungsfunktion hilft nicht nur beim Erlernen des Helifliegens, sondern vor allem auch beim Erlernen von kritischen Manövern. Je nach Flugstil sind Flugzeiten bis zu 7 Minuten möglich. Das Preis/Leistungsverhältnis passt auf jedem Fall. Einen vollwertigen 3D Heli inklusive Sender zu diesem Preis sucht seines gleichen. Wertiger Aufbau und ausgezeichnete Flugeigenschaften – eine echte Kaufempfehlung.

-> Link zum Blade 230S auf der Internetseite von Horizon Hobby

Technische Daten:

Rotordurchmesser: 536 mm
Heckrotordurchmesser: 82,5 mm
Motor: 3900 Kv Brushless
Heckmotor: 3600 Kv Brushless
LiPo-Akku: 3S 800 mAh 30C
Ladegerät: 3S 0,8 Amp. für 12 Volt und 220 Volt
Regler: Dual Brushless ESC
Empfänger: Spektrum AR636
Sender: Spektrum DXe
Modellgewicht: 339 g
Einsatzbereich: In-/Outdoor
Skill Level: Einsteiger bis Profis
Flugmodi: Stability Mode, Agility Mode, 3D Mode
Servos: Spektrum Digital 9g MG



 

Wo kaufen?

UVP € 269,90 (RTF)
Fachandel

 

 

 

Gut

+sehr gutes SAFE Stabi System
+gut funktionioerende Rettungsfunktion
+ausgewogene Flugeigenschaften für Anfänger so wie Profis
+sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis
+guter Sender DXe im RTF Set

 

 

Weniger gut

-nichts negatives gefunden

 

 

Kontaktdaten des Herstellers:

Horizon Hobby GmbH
Christian-Junge-Str. 1
25337 Elmshorn
Telefon: 04121/2655-0
Email: info@horizonhobby.de

 

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.4 (30 Bewertungen)

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