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Änderungen in der 2,4 GHz-Technologie?

von RC-MODELLSCOUT.DE vom 6. Oktober 2010
Artikel-ID: 20101006-FM-01 Rubrik: Magazin

Leider schwappt zur Zeit wieder eine Welle an gefährlichem Halbwissen aus Foren rund um die 2,4 GHz-Technologie über die Modellpiloten. Manchmal scheint die Zeit einfach reif für erfundene Behauptungen. So werden Einsteiger und Fortgeschrittene mit Aussagen konfrontiert, wie dass sich beispielsweise Ende 2010 Grundlegendes im Bereich 2,4 GHz ändern würde. Teils wird sogar vom Kauf bestimmter Anlagen einzelner Hersteller abgeraten - diese würden künftigen Normen nicht entsprechen.

 

Alle Anlagen genießen Bestandschutz

"Alles Quatsch!" behauptet RC-MODELLSCOUT.DE und das bestätigt uns auch nochmals Dieter Perkuhn, Fachreferent beim DMFV. Natürlich wird sich die 2,4 GHz-Technologie weiter entwickeln und dazu wird es auch in der europäischen Norm durch die ETSI (European Telecommunications Standards Institute) Änderungen geben, doch Anlagen, welche heute in Gebrauch sind, genießen erstens Bestandschutz und zweitens entsprechen alle in Verkehr gebrachten Systeme auf dem deutschen Markt der aktuellen Norm - egal welche Änderungen es irgendwann einmal im 2,4 GHz-Band geben wird.

 

Änderungen in der 2,4 GHz-Technologie?

 

Im Gegensatz zum bewährten 35 MHz-Band "gehört" die 2,4 GHz-Technologie nicht dem Modellflug allein. Der Modellflug spielte bis vor kurzem eher eine untergeordnete Rolle in der Entscheidungsfindung der ETSI. Denn WLAN und Bluetooth sind ebenfalls Technologien, welche das 2,4 GHz-Band nutzen - lange bevor die Hersteller aus der Modellflug-Branche die Mehrwerte für sich erkannten. Eine absolute Vorreiterstellung spielt dabei FUTABA. Der japanische Hersteller setzt bereits seit Jahren die 2,4 GHz-Technik im industriellen RC-Bereich ein, um beispielsweise Baumaschinen wie Kräne fern zu steuern.

 

2.4 GHz macht umfangreiche Telemetrie erst möglich

"Im Moment befinden wir uns in der Version 1.7 der Norm", so Dieter Perkuhn. "Weitere Versionen werden folgen, aber mit Sicherheit nicht vor Mitte 2011". Dass sich die Norm weiter entwickeln muss ist klar, denn immer mehr Hersteller nutzen mit ihren Produkten das 2,4 GHz-Band und durch die Entwicklung neuer Anwendungsbereiche ergeben sich ständig neue Möglichkeiten aber auch neue Anforderungen, welche durch die ETSI reglementiert werden müssen. Da das 2,4 GHz-Band eine bidirektionale Funk-Technologie bietet und beispielweise WLAN/Bluetooth ohne diesen Rückkanal gar nicht funktionieren würden, war es letztendlich nur eine Frage der Zeit, bis die Hersteller der Modellbau-Branche zur Telemetrie greifen. Seitdem hat sich das Angebot an 2,4 GHz-Anlagen deutlich weiter entwickelt. Auch wenn Multiplex mit seinem System M-LINK ziemlich spät auf den Markt kam, so hat der Hersteller aus Bretten heute das umfangreichste Telemetrie-Programm im Portfolio. Mit der aktuellen DX8 versucht seit kurzem auch der amerikanische Hersteller SPEKTRUM/HORIZON HOBBY durch eine eigene Telemetrie-Lösung Kunden für sein System zu gewinnen. Auch andere Hersteller von 2,4 GHz Anlagen haben Telemetrieanwendungen entwickelt und sind dabei, das Angebot an Sensoren zu erweitern.

 

Vorsicht vor Importen aus Fern-Ost

Übrigens dürfen alle 2,4 GHz-Anlagen in ganz Europa betrieben werden. Lediglich Frankreich stellt hier noch eine Ausnahme dar. Die meisten Sender-Anlagen können jedoch auf den "French-Mode" umgestellt werden. Trotz allem ist beim Kauf einer 2,4 GHz-Anlage Vorsicht geboten. Vor allen Dingen bei Importen aus Fernost. Diesen Anlagen fehlt meist die für Europa zutreffende Konformitätserklärung und sie entsprechen oft nicht der europäischen Norm EN 300 328.

Wer glaubt, die Tage des bewährten 35 MHz-Bandes seien gezählt, irrt gewaltig. Es werden sicherlich noch viele Jahre vergehen, bevor die Bundesnetzagentur das 35 MHz-Band mangels Nutzung durch den Modellflug anderweitig zuteilen wird.

 

Copyright Bildmaterial: robbe Modellsport, Horizon Hobby

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