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Test: CANADAIR von Pichler Modellbau

von Walter Clauss vom 31. Mai 2011
Artikel-ID: 20110531-FM-01 Rubrik: Flächenmodelle

Wer an den See fährt, sollte neben Badehose und Handtuch zukünftig auch seine Fernsteuerung mit einpacken. Denn viele Hersteller bieten mittlerweile interessante und preisgünstige Wasserflug-Modelle an, die den Spaßfaktor am Gewässer deutlich erhöhen. Hierzu zählt auch die neue CANADAIR von Pichler Modellbau. Das zweimotorige Modell wird als ARF-Bausatz ausgeliefert und kann ab sofort über den Fachhandel oder auch direkt im Online-Shop des Herstellers bestellt werden.

 

Lieferumfang & Montage

Der Vorfertigungsgrad der neuen CANADAIR ist hoch. Im Grunde ist, bis auf die Tragflächen, alles fertig aufgebaut. Trotzdem sollten geübte Modellbauer eine gute Stunde für das Finish einplanen. Der erste Blick auf die geschäumten Teile verrät gute Verarbeitung, der Lieferumfang ist komplett. Das EPS ist ab Hersteller gelb lackiert und die Aufkleber  sind aufgebracht. Leider ist die Bauanleitung nur in englischer Sprache verfasst, dafür ausführlich bebildert. Pichler Modellbau legt eine deutsche Kurzanleitung bei. Ein Kleinteilesatz, Rudergestänge, zwei Querruder-Servos, Propeller-Paare in doppelter Ausführung und eine Tube Klebstoff runden den Lieferumfang ab.

Im Rumpf sind die beiden Servos für Seiten- und Höhenruder bereits herstellerseitig verbaut. Anders sieht es mit der Tragflächen aus. Denn neben Querruder-Servos und Ruderhörnern, müssen noch die Motorgondeln und die Winglets mit der Fläche verklebt werden. Ich verwende hierzu übrigens ausschließlich 5-min Epoxy - auch wenn bereits ein geeigneter Kleber im Lieferumfang enthalten ist. Die Tragfläche ist zweigeteilt und wird lediglich zusammengesteckt und mittels vier Schrauben am Rumpf befestigt. Je zwei Holzleisten in jeder Flächenhälfte sorgen für die nötige Steifigkeit der Tragfläche. Auf ein CFK-Rohr, wie es sonst bei Modellen in vergleichbarer Größe oft zum Einsatz kommt, hat der Hersteller verzichtet. Anschließend werden die Tragflächen mit jeweils zwei Verstrebungen auf jeder Seite gesichert.

Bevor die Querruder-Servos in die Fläche geklebt werden, sollte man unbedingt die mechanische Mittelstellung überprüfen. Ein späteres Korrigieren, ohne die Fläche unschön zu beschädigen, ist beinahe unmöglich. Die Querruder-Servos sind bereits mit Verlängerungskabeln ausgestattet, ebenso das Servo für das Höhenruder, welches direkt im Heck des Modells sitzt. Laut Bedienungsanleitung werden die Zuleitungen zu den Querruder-Servos auf der Unterseite der Tragfläche in einem Spalt versenkt, der jedoch zuerst mit einem scharfen Teppichmesser aus dem EPS geschnitten werden muss. Ich habe mich für eine einfachere Lösung entschieden und verklebe die Zuleitungen mit Klebeband. Neben den Servokabeln verlaufen auf der Flächenunterseite auch die Zuleitungen zu den beiden Brushless-Motoren, welche bereits fix und fertig in den Gondeln verbaut sind. Die Gondeln selbst werden mittels Epoxy mit der Tragfläche verklebt. Weil es einfacher und das Resultat das selbe ist, habe ich auch die Zuleitungen zu den Motoren mit Klebeband an die Fläche gesichert.

Bei der Montage der Propeller muss darauf geachtet werden, dass links- und rechtsdrehende Luftschrauben dem Bausatz beiliegen. Die Drehrichtung der beiden Brushless-Motoren muss dementsprechend überprüft und angepasst werden. Final werden die beiden roten Spinner montiert - fertig!

Die Montage von Höhen- und Seitenleitwerk ist simpel: Nachdem das Höhenleitwerk verklebt wurde, wird anschließend das Seitenleitwerk eingepasst. Anschließend werden die Stabilisatoren auf das Höhenleitwerk gesteckt. Grundsätzlich - und das empfehle ich bei allen geschäumten Bausätzen -  sollte man, bevor zum Kleber gegriffen wird, die Teile erstmal "trocken" verbauen, um die Passform zu überprüfen. Das Gestänge zum Höhenruder passte bei meinem Modell leider nicht auf Anhieb und musste um ganze zwei Zentimeter gekürzt werden. Das Rumpfinnere überzeugt durch viel Platz für alle Komponenten. Ein Träger aus Sperrholz nimmt das Seitenruder-Servo, die beiden Regler und den Empfänger auf. Hier wird auch der Antriebsakku mittels Klettband befestigt. Dieser ist übrigens bequem über eine große Wartungsklappe zu erreichen, welche mittels Magnet gesichert ist.

 

Auf dem Wasser

Wer bereits Wasserflug-Erfahrung mit anderen Modellen sammeln konnte, weis wie empfindlich Regler und Empfänger auf Wasser reagieren. Die beiden 20A-Regler die der CANADAIR beiliegen, sind im Grunde nicht für den Wasserflug vorgesehen und sollten leicht modifiziert werden. Ich empfehle daher dringend, die beiden Regler in eine Folie einzupacken und die Enden mit Klebeband gegen Spritzwasser zu sichern. Alternativ kann auch ein Luftballon verwendet werden. Wer es professionell angehen möchte, verschließt die Regler mit Silikon. Dasselbe gilt für den Empfänger: Etwas Folie mit Klebeband hilft die Lebensdauer der hochsensiblen Elektronik deutlich zu verlängern.

Konstruktionsbedingt kann beim Starten und Landen leider etwas  Wasser in den Rumpf laufen. Während meiner Tests  hatte ich nach ca. 4 Starts gute 200ml Wasser im Rumpf. Daher ist es absolut wichtig, Regler und Empfänger zu schützen. Das Wasser im Rumpf verändert aber auch den Schwerpunkt des Modells. Ein regelmäßiges Entleeren ist daher dringend zu empfehlen.

Mit einer Spannweite von fast 1.400 Millimetern, gehört die CANADAIR von Pichler Modellbau sicherlich zu den Modellen, die einem den Einstieg in den Wasserflug leicht machen. Trotzdem empfehle ich für die ersten Starts und Landungen auf dem Wasser den Rat eines erfahrenen Modellpiloten einzuholen, denn Starts und Landungen auf dem Wasser unterscheiden sich von den gleichen Manövern an Land. Am besten geht`s im Lehrer/Schüler-Betrieb, denn die CANADAIR meint es nicht immer gut mit einem. Querruder-Erfahrung sollte man unbedingt mitbringen, denn gerade beim Start ist es wichtig, die Tragfläche absolut in der Waagerechten zu halten. Achtet man nicht darauf, tauchen die Schwimmer schnell ins Wasser ein und stoppen plötzlich den Startvorgang. Wassereinbruch ist die Folge. Gut wer seinen Regler und Empfänger eingepackt hat.

Einen Minuspunkt gibt`s für die Konstruktion bzw. Anordnung der Gondeln und der Luftschrauben. Der gesamte Antrieb liegt zu tief. Wasser, das beim Start durch den Rumpf nach oben spritzt, drückt den Propeller wiederum leicht nach hinten. Das führt dazu, dass die Luftschraube leicht an der Gondel streift und das EPS beschädigt wird. Einen weiteren Minuspunkt gibt`s für die Befestigung der Spinner: Bereits beim Erstflug musste ich den Verlust eines Spinners beklagen. Da gibt es bessere Lösungen!

 

Im Tiefflug über den See

Die CANADAIR ist gut motorisiert und hebt bereits nach wenigen Metern ab. Man spricht hier übrigens von "abwassern", das Landen wird als "anwassern" bezeichnet. Die Flugeigenschaften des Modells sind durchaus als gutmütig zu bezeichnen. Schnell gewinnt das Modell an Höhe und der Standard-Antrieb reicht sogar für klassischen Kunstflug wie Loopings.

Nicht ganz unkritisch sind die Flugeigenschaften wenn der Strömungsabriss  an der Fläche den CANADAIR droht. Das Modell kippt über die Fläche weg und fängt sich nicht selbst ab. Ein Sturzflug ist die Folge. Hier ist etwas Erfahrung gefragt und schnelles intuitives Handeln gefordert um einen Absturz zu vermeiden.

Doch wer die CANADAIR zum See schleppt, der möchte keinen Kunstflug machen. Viel mehr Freude bereiten tiefe Überflüge über das Wasser und mit etwas Übung (!) werden Landungen zu einem echten Kinderspiel. Pichler Modellbau empfiehlt zu seiner CANADAIR einen 3S Lipo mit 2.200 mAh. Damit sind Flugzeiten von bis zu 11 Minuten kein Problem. 

Die Angabe zum Schwerpunkt passt laut Anleitung perfekt und dank optimal gewählter Stufe auf der Rumpfunterseite wassert die CANADAIR mit Hilfe von nur ganz wenig Höhenruder fast von alleine ab.

 

Mein Fazit

Die CANADAIR von Pichler Modellbau bringt gute 860 Gramm auf die Waage - ohne Wasser. Rechnet man den Sender und ein paar Lipo-Akkus noch dazu, schleppe ich locker fast 3 Kilogramm vom Parkplatz bis zum See. Doch der Aufwand lohnt: Bei tiefen, scale-typischen Überflüge bleiben die Fußgänger am Ufer stehen und bekommen den Mund nicht mehr zu. Etwas "billig" wirken die Stabilisatoren auf dem Höhenleitwerk. Diese haben im Grunde keine Funktion, der Hersteller hätte gerne darauf verzichten können. Trotz den beiden im Test genannten Minuspunkten, überzeugte mich die CANADAIR durch solide Verarbeitung, gutmütige Flugeigenschaften. Im Lieferumfang sind alle Komponenten enthalten, um das Wasserflugzeug flugbereit zu bekommen. Mit etwas Übung macht die CANADAIR einfach nur Spass.

 

Technische Daten:

• Spannweite: 1.390 mm
• Länge: 970 mm
• Gewicht: 850 g
• RC-Funktionen: Quer, Höhe, Seite, Motor

 

Im Lieferumfang enthalten:

• 2x Brushless-Motoren
• 2x Brushless-Regler
• 4x Luftschrauben
• 4x Mini-Servo
• Verlängerungskabel

 

Wo kaufen?

Bezug: Fachhandel oder direkt über den Hersteller
Preis: 149,00 Euro (UVP)
Link zum Online-Shop

 

 

 

Gut

• Gutmütige Flugeigenschaften
• Gute Verarbeitung aller EPS-Schaumteile
• Hoher Vorfertigungsgrad
• Alle Komponenten zum Fertigstellen enthalten

 

Weniger gut

• Befestigung der Spinner
• Konstruktion der Motor-Gondeln

 

Kontaktdaten des Herstellers:


Pichler Modellbau
PICHLER Kunststofftechnik GmbH
Lauterbachstrasse 19
84307 Eggenfelden
Telefon: 08721/6900
Email: mail@pichler.de
Internet: http://www.pichler.de

 

 


 

 

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.5 (6 Bewertungen)

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